Warum Stoffwindeln?

Was benutzt du? Stoffwindeln? Wie kommt man denn darauf? Was das kostet... Und stinken tun die auch noch. Hast du sonst nichts zu tun? Welchen Vorurteilen bist du schon begegnet, wenn du das Thema Stoffwindeln angesprochen hast? Ich kann diese inzwischen nur belächeln. Allerdings muss ich zugeben, dass dies nicht immer der Fall war, sondern ich zu Beginn unserer Wickelzeit oft damit überfordert war, eine Antwort zu finden...

Einfach und komfortabel soll es sein!

Moderne Stoffwindeln sind genauso einfach und schnell anzulegen wie eine Wegwerfwindel. Für jedes Kind, jede Familie und jede Betreuungssituation gibt es die passende Stoffwindel. Haben wir diese gefunden, wirst du dein Baby schnell und bequem wickeln können. Wird die Stoffwindel korrekt angelegt, ist sie durch ihre Gummibündchen an den Beinen und am Rücken sogar noch viel auslaufsicherer als eine Wegwerfwindel.

Außerdem musst du nicht ständig Windeln nachkaufen und die Packung wird auch nicht blöder Weise genau an einem Sonn- oder Feiertag leer. Deine Windeln stehen dir dauerhaft zur Verfügung.

Wer wickelt günstiger?

Hier sind Stoffwindeln ganz klar im Vorteil. Vergleichsweise hohe Anschaffungskosten schrecken viele junge Eltern ab. Doch was hierbei vergessen wird, ist dass diese nicht - wie eben bei Wegwerfwindeln - jede Woche aufs Neue anfallen. Stellen wir einmal eine einfache Berechnung an: Bei Verwendung von nur 5 - 6 Wegwerfwindeln pro Tag werden in einem Jahr ca. 2.000 Stück benötigt. Innerhalb der ersten drei Lebensjahre entspricht dies einem Verbrauch von 6.000 Windeln. Je nach Marke verursachen diese Anschaffungskosten in Höhe von ca.  1.500 Euro.

Auch bei Stoffwindeln gibt es je nach System und Marke Unterschiede im Anschaffungspreis. Ab 250 Euro kannst du dein Kind bis zum Ende der Wickelzeit ausstatten. Pflegst du deine Windeln gut, kannst du sie für ein nächstes Kind weiter verwenden oder auch verkaufen. Probiere das doch einmal mit einer benutzten Wegwerfwindel...

Die Sache mit der Wäsche...

Ja, es lässt sich nicht abstreiten, dass Stoffwindeln gewaschen werden müssen. Allerdings leben wir glücklicher Weise schon lange nicht mehr im Zeitalter der Waschbretter. Auch du wirst eine moderne Waschmaschine besitzen, die höchstwahrscheinlich seit dein kleines Wunder dein Leben bereichert auch recht häufig genutzt wird. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, die Kleidung deines Babys nach der Benutzung zu entsorgen anstatt sie zu waschen? Wahrscheinlich eher nicht. Und das obwohl die Kleidung unserer Kinder von Anfang an oft mehr als einmal täglich gewechselt werden darf. Es ist selbstverständlich, dass wir diese sammeln und waschen. Das Waschen der Stoffwindeln ist nicht komplizierter oder aufwändiger: Sammeln, in die Waschmaschine geben, Knöpfchen drücken und sauber wieder heraus holen. 

Aber Stoffwindeln stinken doch bestimmt?

Nein! Eine korrekt gelagert und gewaschene Stoffwindel riecht nach: Nichts. Während der Nutzung fängt die Windel natürlich die Ausscheidungen deines Babys auf. Dass diese nach dem riechen was sie nun einmal sind, wird sich nicht verhindern lassen. Allerdings tun Sie das in Wegwerfwindeln weit intensiver. Du fragst dich warum? Grund sind die geringere Atmungsaktivität, die höhere Temperatur in der Wegwerfwindel und die eingesetzte Chemie. Deshalb werden oft spezielle Windeleimer verwandt, um die benutzten Wegwerfwindeln zu lagern ohne der extremen Geruchsbelästigung ausgesetzt zu sein. Dies ist bei Stoffwindeln nicht notwendig. Ohne Superabsorber, Lotionen usw. und wesentlich atmungsaktiver entwickeln sich hier erst gar keine so extremen Gerüche wie in Wegwerfwindeln.

Nässe vs. Superabsorber?

Hier würde ich gerne einen kurzen Abstecher in die Geschichte mit dir machen. Wegwerfwindeln sind eine recht neuzeitliche Erfindung. Aber wie sahen Windeln eigentlich früher aus?

In einer Zeit, in der Stoffe noch unerschwinglich für die einfache Bevölkerung waren, griff man auf mit Heu gefüllte Strickhöschen zurück. Als Stoff bezahlbarer wurde wickelte man mehrere Lagen Stoff und die Babys, die teilweise in Wachs getränkt wurden um sie wasserundurchlässiger zu machen. So unkomfortabel dies klingen mag - die Hautgesundheit der Babys war zu dieser Zeit keine Sorge der Eltern. Wie in vielen anderen Bereichen so brachte die Erfindung des Plastik auch im Bereich des Wickelns einen großen Wandel. Plastiküberhosen ermöglichten durch ihre Dichtigkeit erheblich längere Wickelintervalle. Erst in den 70er Jahren kam die Wegwerfwindel zu uns. Klingt erst einmal gut? Für die Babys war es das leider nicht. Windeldermatitis und Windelsoor waren plötzlich allgegenwärtig. Für jedes Problem wird ein Schuldiger benötigt - die böse Nässe. Also wurden die Windeln immer schneller und besser saugend. Sogar vor Verwendung eines Brandschutzmittels (und nichts anderes ist Superabsorber) für noch bessere Saugfähigkeit wurde und wird heute noch nicht zurückgeschreckt. Leider unterscheidet dieser allerdings nicht zwischen der Aufnahme von Hautfett und Urin. Als letzter krampfhafter Versuch die Probleme in den Griff zu bekommen werden die Windeln bis heute in Lotion gebadet,. Aber inzwischen haben sich Eltern einfach daran gewöhnt, dass der Babypo regelmäßig eingecremt, gepudert und behandelt werden muss. Mit dem grausamen Bild eines nicht nur roten und sondern mit offenen und nässenden Wunden übersäten Babypos schockiert man trotz allem keinen Kinderarzt.

Jetzt schauen wir noch einmal zurück - Wann begann das Problem? Mit der Nässe, der Babys über hunderte von Jahren ausgesetzt waren? Frischer Urin ist nicht nur steril, sondern im Gegenteil sogar pflegend und heilend. Deshalb wurde er in Kriegszeiten auch regelmäßig zur Wunddesinfektion eingesetzt. Und heute noch findet sich in vielen Cremes Urea. Ein Probelm ensteht jedoch in Kombination mit Wärme und Luftabschluss. Diese Faktoren beschleunigen die Entstehung von Amoniak aus Urin. Und dieser ist natürlich extrem schädlich. Gerade für die so viel dünnere und empfindlichere Babyhaut. In Verbindung mit immer längeren Wickelintervallen wundert das teilweise erschreckende Hautbild nicht mehr.

Übrigens war es in der ehemaligen DDR normal mit Stoffwindeln zu wickeln, da Wegwerfwindeln kaum verfügbar waren. Nach dem Mauerfall erkrankten plötzlich epedemieartig die nun mit Wegwerfwindeln gewickelten Kinder an Windelsoor, einer Erkrankung die es zu Stoffwindelzeiten dort nicht gegeben hatte.

Während die Einführung der Wegwerfwindeln erhebliche Probleme in Bezug auf die Hautgesundheit mit sich gebracht hat, stört die Nässe in Stoffwindeln Babys in der Regel nicht. Trotzdem gibt es auch hier Möglichkeiten für einen trockenen Babypo zu sorgen. Die Frage die sich jedoch stellt ist, ob es erstrebenswert ist, den Babypo stets trocken zu halten: Immer größer werden die Windeln. Eltern die verzweifelt versuchen ihre Kinder vor der Einschulung von den Windeln zu entwöhnen sind leider keine Seltenheit mehr. Doch woher kommt das? Wegwerfwindeln stehlen unseren Kindern das natürliche Nässefeedback. Die Verknüpfung zwischen der Ausscheidung und der Nässe ist für unsere Kinder extrem wichtig. Eine Windel sollte kein bequemer Ersatz für den Gang zur Toilette sein.

Weitere Infos zur natürlichen Sauberkeitserziehung findest du hier: https://www.kleinerhomosapiens.ch/

Können sich Babys mit Stoffwindeln schlechter bewegen?

Auch das ist nicht der Fall. Es ist richtig, dass eine Stoffwindel immer einen etwas dickeren Windelpo macht als eine Wegwerfwindel. Während die Wegwerfwindel zunächst sehr dünn ist, entspricht die Stoffwindel von Anfang an in ihrem Volumen in etwa einer komplett vollgesaugten Wegwerfwindel. Das mit Stoffwindeln breiter gewickelt wird schadet den Babys jedoch nicht sondern fördert im Gegenteil sogar noch die gesunde Hüftentwicklung. Es schränkt dein Baby auch nicht ein oder bremst es in seiner Entwicklung. Dein Kind wird mit Stoffwindel genauso gerne zur Bettzeit mit dir quer durch deine Wohnung Fangen spielen wie es dies mit einer Wegwerfwindel tut.

Wo soll ich leben?

Wir erziehen bedürfnisorientiert, ernähren unsere Kinder gesund und fördern sie wo immer es geht. Wir wollen in allen Bereichen unstreitig das aller Beste für unsere Minis. Doch eines geht hierbei leider oft vergessen: Wo sollen sie später einmal gesund, glücklich und erfolgreich leben? Welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern?

6.000 Wegwerfwindeln pro Kind entsprechen ca. 1,5 Tonnen nicht recycelbarem Müll. Das sind etwa 10 % unseres gesamten Restmülls. Doch was geschieht hiermit? Wir haben 2 Varianten betreffend der Müllentsorgung, nämlich die Lagerung auf stetig wachsenden Mülldeponien und die Müllverbrennung.

Eine Wegwerfwindel benötigt etwa 450 Jahre bis sie in immer kleinere Teile zerfallen ist, die natürlich während dieser Zeit auch in unsere Tier- und Umwelt gelangen. Das heißt die komplette Zersetzung der ersten jemals produzierten Wegwerfwindel würden unsere Urenkel noch immer nicht bestätigen können.

Die zweite Variante wäre die Müllverbrennung. Eine Schwierigkeit stellt hierbei allerdings der in Wegwerfwindeln enthaltene Superabsorber dar, da es sich hierbei um ein Brandschutzmittel handelt. Es muss somit erhebliche Energie aufgewendet werden, um Wegwerfwindeln zu verbrennen. Dies ist über das Vermischen mit Sperrmüll sowie die Zugabe von Öl möglich. Doch selbst dann erfolgt die Verbrennung nie restlos. Es bleiben Schlacke (ca. 2,5 %) sowie verschmutzte Filter zurück. Bei beiden handelt es sich um Giftmüll. Zur Entsorgung wird dieser in Beton gegossen und in Salzbergwerken endgelagert. Darüber welche Gefahren dies birgt (z. B. bei Undichtigkeit) sind wir wohl alle informiert. 

Bei der Produktion von Wegwerfwindeln wird darüber hinaus eine erhebliche Menge an Wasser verbraucht. Ja, wir müssen auch unsere Windeln waschen. Allerdings wird dieses Wasser ganz normal geklärt und wieder aufbereitet. Damit wird es in den Wasserkreislauf zurückgeführt und ist nicht verloren. Wr benötigen zur hygienischen Reinigung keine scharfen Reinigungsmittel, Hygienespüler oder Ähnliches sondern lediglich Vollwaschmittel mit umweltfreundlicher Sauerstoffbleiche,. Das zur Produktion von Wegwerfwindeln verwandte Wasser kann nicht einfach geklärt werden, sondern ist hochgradig mit Chemikalien belastet.

Zu dieser nicht sehr positiven Umweltbilanz von Wegwerfwindeln kommt nun auch noch der Stromverbrauch, der zur Produktion aufgewendet werden muss und ebenfalls erheblich höher ist als der, den unsere energiesparsamen Waschmaschinen und gegebenfalls Trockner für die Windelwäsche verbrauchen.

Zu guter Letzt müssen die Wegwerfwindeln auch noch irgendwie zu den Babys kommen. Die Transportwege und die daraus resultierende Belastung für unsere Umwelt sind hier enorm.

Mehr Infos zum Thema findest du hier: 

https://deine-stoffwindel.com/windelmuell/
https://www.windelmanufaktur.com/de/stoffwindeln/oekobilanz
https://www.evidero.de/sind-stoffwindeln-besser

Was ist schöner?

Bunte Muster, leuchtende Farben, kuschelige und weiche Stoffe - da kann keine Wegwerfwindel mithalten. Du alleine kannst entscheiden was an die Haut deines kleinen Schatzes kommt. Besonders weich soll es sein? Sind es nur Naturmaterialien in die du dein Baby hüllen möchtest? Magst du es bunt oder lieber ganz schlicht? Du alleine hast es in der Hand. Und plötzlich ist Wickeln keine lästige Pflicht mehr für dich, die einfach schnell erledigt werden soll. Es ist so viel mehr: Nähe, Respekt, Achtsamkeit, Würde, Liebe und ganz viel Zärtlichkeit.