Was war zuerst da – Windel oder Baby?
Die Geschichte der Windel

Beitragsbild Blogartikel Geschichte der Windel - Babyfüße in Korb mit Stoff umhüllt

Es gibt eine Sache, mit der wir alle uns direkt in den ersten Monaten als Mama beschäftigen. Am Thema Sauberkeitserziehung – ob mit oder ohne Windeln – kommt keine von uns vorbei. Aber wie war das überhaupt früher? Wie sind Windeln entstanden und gab es auch eine Zeit davor? Ich wünsche dir viel Spaß bei einer kleinen Reise durch die Zeit zur Geschichte der Windel.

Babys in einer Zeit ohne Windeln

Wir können uns wohl sehr sicher sein, dass auch die ersten Babys nicht mit Windeln zur Welt kamen. In wärmeren Klimazonen waren Babys wahrscheinlich größtenteils nackt und wurden überhaupt nicht gewickelt. Es gab keine Möbel oder ähnliche Gegenstände, die man vor Verschmutzung hätte bewahren wollen. Unsere Babys sind Traglinge und verbrachten ursprünglich die meiste Zeit in sehr engem Körperkontakt zur Mutter. Durch die enge Beziehung konnte diese sehr sensibel auf ihr Kind reagieren. So spürte sie auch wenn ihr Kind ausscheiden musste. Sie hielt ihr Baby dann einfach von sich weg. Bei vielen Naturvölkern wird dies noch heute so gehandhabt.

In kälteren Gegenden wurden wahrscheinlich Felle oder Tierhäute genutzt und bei Verschmutzung ausgespült.

Der Beginn des Wickelns

Es gibt bereits Aufzeichnungen zum Wickeln die ca. 600 Jahre vor Christus entstanden sind. Die Neugeborenen wurden damals komplett mit Bändern umwickelt (sogenanntes “Fatschen”). So konnten sie sich kaum bewegen. Als Saugmaterial dienten Moos, Heu und Stroh. Aus dem “winden” der Bänder entstand das Wort “Windel”. Auch aus Ägypten sowie der griechischen und römischen Antike gibt es ähnliche Aufzeichnungen. Durch das feste und gestreckte Wickeln sollten Verdrehungen und Verformungen der Knochen vermieden werden. Bis ins Mittelalter hinein wurde dies so beibehalten. Fraglich ist jedoch, wie lange die Babys in dieser Zeit gewickelt wurden. Die Jesus-Windel, die aus einem Stück Filzstoff (wahrscheinlich aus einem Gewand herausgeschnitten) und Seidenbändern besteht, wird im Aachener Dom aufbewahrt.

Windeln aus Wolle

Im 18. Jahrhundert veränderten sich die Windeln in Europa. Wolle wurde bereits seit langer Zeit gesponnen und zur Herstellung von Kleidung genutzt. Nun strickten die Frauen Schafwollhöschen für ihre Babys. Sie füllten diese mit Heu und Stroh. Heu ist weicher und angenehmer auf der Haut zu tragen. Stroh kann viel Feuchtigkeit aufnehmen. So entstand eine sehr luftdurchlässige Windel. Die Wollhöschen mussten nicht nach jedem Gebrauch gewaschen sondern nur getrocknet und neu befüllt werden.

Wickeln mit Tüchern

Als Baumwollstoffe erschwinglicher wurden, lösten Tücher die Windeln aus Wolle ab. Es wurden drei Tücher zum Wickeln genutzt. Ein Tuch wurde in Olivenöl, heißem Fett oder Bienenwachs getränkt um das Windelpaket abzudichten. Schmutzige Windeln wurden ausgespült und anschließend in heißem Wasser ausgekocht. Das Windelpaket war noch immer sehr luftdurchlässig.

Darf es etwas Plastik sein?

Nach dem zweiten Weltkrieg eroberte Plastik nahezu jeden Bereich unseres Lebens. So sollten nun Plastiküberhosen das Wickeln erleichtern. Die Windeln waren nun erstmalig wirklich dicht. So konnten die Wickelintervalle erheblich verlängert werden. Allerdings waren die Plastiküberhosen nicht nur wasser- sondern auch luftundurchlässig. Das feuchtwarme Windelklima in luftdichter Verpackung ließ das Problem der Windeldermatitis entstehen.

Die ersten Einwegwindeln

Tatsächlich ist die Einwegwindel noch relativ jung. Die Amerikanerin Marion Donovan hatte in den 50er Jahren die erste Idee für eine Einwegwindel. Allerdings gelang es ihr nicht sie zu vermarkten. Victor Mills griff die Idee wieder auf als er selbst Großvater wurde. 1961 führte die Firma Procter & Gambel erfolgreich die Marke Pampers in den USA ein. Die erste Windel hatte eine einfache rechteckige Form. Als Saugkern dienten zahlreiche Lagen von Krepppapier und als Nässeschutz wurde eine Folie genutzt.  Sie wurde mit Sicherheitsnadeln verschlossen.

1973 wurde ein Werk in Euskirchen errichtet und die Einwegwindel eroberte  ganz Europa. Einzige Ausnahme war der kommunistische Osten. Hier waren Wegwerfwindeln schwer zu bekommen und extrem teuer. So wurde bis zum Mauerfall weiterhin mit Stoffwindeln gewickelt.

Wie Wegwerfwindeln zu ihrer Saugkraft kamen

Ein Problem der ersten Wegwerfwindeln lag im Saugkern aus Papier. Die Nässe verteilte sich schnell und wurde auf Druck abgegeben. Der nasse Papierkern verursachte häufig ein Wundreiben. Außerdem waren die Windeln sehr dick. Das Zerkleinern des Papiers verbesserte diese erheblich, löste die Probleme jedoch nicht.

Als 1987 der Superabsorber eingeführt wurde veränderte das vieles. Schon 1 TL Superabsorber pro Windel reicht für eine enorme Saugkraft aus. Dass die Wickelintervalle hierdurch immer länger wurden, ist jedoch nicht unbedingt positiv.

Nach der Wende stiegen nun auch die ostdeutschen Mütter auf Wegwerfwindeln um. Es kam nun zu einer wahren Epidemie von Windelsoor. Diese Pilzerkrankung hatte es zuvor bei der Verwendung von Stoffwindeln in der DDR nicht gegeben.

Auch heute noch arbeiten Mathematiker und Chemiker daran, Wegwerfwindeln immer weiter zu verbessern. Bevor entsprechende Prototypen  hergestellt werden, wird alles genau berechnet und am Computer simuliert. Allerdings konnte das Problem der Windeldermatitis bis heute nicht gelöst werden. Mamas haben sich einfach im Laufe der Zeit an einen wunden Babypo gewöhnt. Puder und Salben gehören zur Standardausstattung des Wickeltisches.

Zurück zur Stoffwindel

Mit Einführung der Wegwerfwindel wurden Stoffwindeln aus Marketingzwecken als unhygienisch, stinkend und viel zu aufwändig dargestellt. Wegwerfwindeln gerieten jedoch in den letzten Jahren immer wieder in die Kritik. Auch das Umweltbewusstsein wächst glücklicherweise. So werden Stoffwindeln wieder beliebter. Ein Vorreiter im Bereich der Stoffwindeln ist England. Hier bereitet man werdende Eltern systematisch in Kursen auf das Wickeln mit Stoffwindeln vor. Windeldienste sind nicht mehr wegzudenken und es werden Gutscheine für Stoffwindeln ausgegeben. Aber auch bei uns entscheiden sich immer mehr Eltern wieder für Stoffwindeln.

Unsere Großmütter wussten noch sehr genau, was die empfindliche Haut eines Babys benötigt: Licht, Luft und Feuchtigkeit. Außerdem kannte man die pflegenden Eigenschaften von Harnstoff und nutzte diese. Es gab keine Probleme mit Windeldermatitis, Pilzen und Entzündungen. Dieses Wissen wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Heute untermauern Studien, was unsere Großmütter bereits wussten. So erobern moderne Stoffwindeln die Wickeltische zurück.

Windelfrei als weitere Alternative

Nicht nur in einigen Naturvölker wachsen Kinder heute noch ohne Windeln auf. Ein Großteil der chinesischen Familien nutzt noch immer keine Windeln. Hier tragen die Kinder Hosen mit einem Schlitz im Schritt (“kai dang ku”). Mit diesen können sie sehr schnell und vor allem selbstständig ausscheiden.

Inzwischen wird “Windelfrei” aber auch in Europa immer beliebter. Speziell ausgebildete Beraterinnen helfen jungen Eltern. So können sie lernen ihr Kind genau zu beobachten und kleinste Veränderungen sofort zu bemerken. Beim “Abhalten” wird das Baby über ein Gefäß oder die Toilette gehalten, so dass es ausscheiden kann. Dies kann deinem Baby helfen früher ein Bewusstsein für die eigenen Ausscheidungen zu entwickeln. In Kombination mit speziellen Abhaltewindeln lässt es sich selbst in den modernen Alltag integrieren.

“Frau Mama”

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