Gründe für Stoffwindeln – Teil 1
Warum Stoffwindeln einfach besser für die Gesundheit sind

Beitragsbild Blogartikel Stoffwindeln sind besser für die Gesundheit - Hände der Eltern um Babyfüße

„Ich werde Stoffwindeln benutzen!“ – Ich sah förmlich sämtliche Vorurteile im Kopfkino unserer Familie ablaufen. Entgeistert waren sich alle einig, dass ich nun komplett verrückt geworden sein müsste. Heute bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass es die absolut richtige Entscheidung war. In vier aufeinander folgenden Artikeln möchte ich dir zeigen, warum auch du dich für Stoffwindeln entscheiden solltest. Starten wir mit der ersten Frage: Sind Stoffwindeln besser für die Gesundheit?

Aufbau einer Windel

Eine Windel – egal ob Stoffwindel oder auch Wegwerfwindel – besteht immer aus einer Nässeschutzschicht und einem Saugkern.

Aufbau einer Stoffwindel

Wickelst du mit Stoffwindeln so hast du die Wahl zwischen verschiedenen Nässeschutz- und Saugmaterialien. Du kannst nur mit natürlichen Stoffen, vegan oder plastikfrei wickeln. Eben ganz so wie es zu dir und deinem Baby passt. Alle Materialien haben ihre Vor- und Nachteile. In jedem Fall hüllst du dein Baby in kuscheligen Stoff ohne unnötige Chemie, egal für welches Material du dich entscheidest.

Aufbau einer Wegwerfwindel

Alles in allem ist so eine Wegwerfwindel schon ein kleines Wunderwerk. Sie besteht in der Regel aus fünf Schichten:

Die oberste Schicht der Windel, die direkt an der Haut deines Babys anliegt, wird als Topsheet bezeichnet. Sie wird häufig mit einer Lotion versehen die die Haut pflegen und schützen soll. Allerdings enthält diese meist Mineralöle und verschließt die Poren, was die natürliche Selbstreinigung verhindert. Außerdem kann sie allergische Reaktionen auslösen.

Das Aufnahmevlies aus Polypropylen leitet die Flüssigkeit schnell an die nächste Schicht weiter. So bleibt das Baby trocken.

Darunter liegt das ebenfalls aus Polypropylen bestehende Verteilervlies. Es verteilt die Flüssigkeit auf die gesamte Windelfläche obwohl das Baby immer nur auf die gleiche Stelle pieselt.

Das Geheimnis der Saugfähigkeit liegt zwischen Zellstoffflocken. Als Superabsorber (Superabsorbent Polymers) bezeichnet man Kunststoffe die ein Vielfaches ihres Eigengewichtes an Flüssigkeit aufsaugen können. Der Superabsorber stammt aus dem Brandschutz und erinnert im trockenen Zustand an kleine Salzkristalle. Kommt er mit Flüssigkeit in Verbindung entsteht eine wackelpuddingartige Masse. Der Superabsorber differenziert nicht sondern saugt jegliche Flüssigkeit auf, so dass die empfindliche Babyhaut und die Schleimhäute ausgetrocknet werden. Das macht sie anfällig für einen wunden Po oder auch eine Pilzinfektion.

Den Abschluss der Windel bildet die Außenfolie aus Polyethylen.

Das klingt nach ziemlich viel Chemie, oder? Ob das alles auf die Haut eines Babys gehört? Und dann auch noch jahrelang für 24 Stunden am Tag und an der intimsten Stelle? Neu gekaufte Kleidung waschen wir mindestens einmal um schädliche Rückstände auszuspülen. Wegwerfwindeln werden selbstverständlich ungewaschen direkt auf der Haut verwendet. Und Feuchtigkeit fördert sogar noch die Freisetzung der zahllosen chemischen Stoffe.

Auswirkungen von Windeln auf die Hautgesundheit

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Inzwischen gehört es für viele junge Eltern zum Alltag mit einem wunden Babypo zu kämpfen. Es wird gecremt und gepudert und trotzdem quälen sich so viele Babys regelmäßig mit einem roten Po. Oftmals kommen sogar offene und nässende Wunden dazu. Warum ist das so?

Ein Mythos, der sich leider hartnäckig hält ist, dass Nässe und Urin für einen wunden Babypo verantwortlich seien. Entspräche dies der Wahrheit, so wären folglich Wegwerfwindel-Kinder niemals wund, oder? Schließlich wird hier jegliche Flüssigkeit in Rekordzeit aufgesaugt und der Urin wird „sicher“ verschlossen. Frischer Urin ist zunächst einmal nahezu steril und wirkt pflegend sowie desinfizierend. Deshalb wurde er auch in Kriegszeiten zur Wunddesinfektion eingesetzt. Vielleicht schaust du einmal auf deine Cremeverpackungen. In vielen Produkten wirst du den Inhaltsstoff „Urea“ finden.

Die Haut benötigt einen intakten Schutzfilm und Luft zum atmen. Zugegebenermaßen hat sich die Atmungsaktivität von Wegwerfwindeln in den letzten Jahren verbessert. Jedoch gelangen sie damit nicht an Stoffwindeln heran. Trotzdem werden die Wickelintervalle immer länger. Schließlich können moderne Wegwerfwindeln ja auch eine erhebliche Menge an Flüssigkeit aufnehmen. Namhafte Windelhersteller werben mit unglaublichen Slogans.

Superabsorber nimmt zwar jede Menge Flüssigkeit auf, ist dabei jedoch nicht sonderlich intelligent. Er unterscheidet nicht, welche Art von Feuchtigkeit aufgesaugt wird sondern trocknet genauso die empfindliche Babyhaut aus. Zusätzlich kann bei Mädchen die Scheidenflora gestört werden, was Scheidenpilzinfektionen und Harnwegsinfekte begünstigt.

Um die Hautprobleme wenigstens etwas einzudämmen werden Wegwerfwindeln mit einer Lotion behandelt, die die Haut pflegen und schützen soll. Das Mikrobiom – also die natürliche Hautschutzschicht – unserer Babys muss sich erst noch entwickeln. Der permanente Kontakt mit einer Lotion, die meist Parafine und Duftstoffe enthält, kann diese gesunde Entwicklung stören.

Windelklima – Die Temperatur in der Windel

Forschungen haben ergeben, dass die Temperatur im Intimbereich durch Wegwerfwindeln um ca. 2°C erhöht wird. Warum das bedenklich sein kann? Zunächst einmal ist es sicher nicht förderlich z. B. wenn dein Baby fiebrig ist, die Körpertemperatur noch weiter zu erhöhen. Zum anderen vermehren sich Bakterien in einer wärmeren Umgebung deutlich schneller. Darüber hinaus stehen Wegwerfwindeln im Verdacht, die Spermatogese durch die erhöhte Temperatur zu beeinträchtigen. Woher kommt diese Theorie? Die Hoden unserer Babys entwickeln sich zunächst im Bauchraum. Sie steigen dann hinab, da es außerhalb des Bauchraumes kühler ist. Dies ist eine Voraussetzung für die Entwicklung der vollen Fortpflanzungsfähigkeit. Nun wirkt die Wegwerfwindel durch die Erhöhung der Temperatur genau diesem natürlichen Prozess entgegen.

Hüftentwicklung deines Babys

Bei der Geburt ist die Hüfte deines Babys noch nicht voll ausgereift sondern ist noch weich und verformbar. Der Hüftkopf sitzt noch nicht so tief und sicher in der Hüftpfanne wie bei Erwachsenen. Beim breiten Wickeln wird die Hüfte in die optimale Position gebracht was eine gesunde Entwicklung fördert.

Nässefeedback durch Stoffwindeln

Zu guter Letzt wäre nun noch das fehlende Nässefeedback bei Verwendung von Wegwerfwindeln zu erwähnen. Ein Baby hat so über Jahre hinweg niemals eine Antwort auf sein “in die Hose machen” erhalten. Die Verknüpfung Pipi = nass muss daher später mühsam erlernt werden. Auch die eigene Motivation die Toilette zu benutzen ist geringer, wenn es sich jederzeit schön trocken anfühlt. Das heißt ein Stoffwindelkind wird früher trocken? Jein. Das Thema ist wohl etwas zu umfangreich um es hier mit zu behandeln. Vielleicht mache ich daraus einmal einen gesonderten Artikel…

“Frau Mama”

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